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Der Moment, in dem aus einem Mädchen eine Frau wird: eine Geschichte über psychologischen Missbrauch - Teil 2

Mein Rat zu allen ist, euch zu äußern. Der Tag, an dem ich bereit war zu reden, war der Tag, wo das kleine Mädchen, das ich war, zu einer Frau wurde.
Greece, Southern Europe

Eine Geschichte von Maria Sotiropoulou. Übersetzt von Veronica Burgstaller
Veröffentlicht am April 9, 2021.

Diese Geschichte ist auch verfügbar in GB es it



"Sie würde alles tun, um einen Job zu bekommen", sagten sie.

"Sie hat alles mit ihrem Körper verdient", flüsterten sie.

So begann der Teufelskreis der Ausgrenzung. Meine Kollegen und Kommilitonen an der Universität wandten sich gegen mich, und sie begannen, Gerüchte und beleidigende Geschichten zu verbreiten, das ein besseres Drehbuch gemacht hätte als eine billige Seifenoper aus den 90ern. Zuerst war die Situation so lächerlich, so übertrieben und dramatisch, dass ich dachte, ich müsse mir das einbilden. Es stellte sich heraus, dass es keine Einbildung war.

Gerüchte kursierten über eine angebliche Beziehung, die ich mit einem Mitglied des akademischen Personals gehabt hätte, und über Gespräche, in denen ich gesagt haben soll, dass "ich alles tun würde, um einen Job zu bekommen." Meine akademischen und beruflichen Leistungen wurde ständig abgewertet und Kommentare wurden über mich gemacht, dass ich meine heutigen Erfolge durch “den Verkauf meines Körpers erreicht” hätte. Dann gab es Gerüchte darüber, wie ich andere Frauen herabsetzte, sie kritisierte, und sexistische Äußerungen über sie machte.

"Wie kann diese Frau, die in den sozialen Medien ständig über Feminismus redet, solche sexistischen Kommentare über Frauen machen?", sagte jemand. Das waren die Worte, die mich am meisten verletzten.

Ständige verbale Belästigung, Druck, Mobbing, eine Menge Zuweisung von Aufgaben, für die ich noch nicht kompetent war, nächtliche Telefonanrufe und Kritik für "Fehler", die ich angeblich gemacht hätte - alles von meinen "Mentoren". Kommentare wurden gemacht, wie ich "zweimal denken sollte, bevor ich was auf meinem persönlichen sozialen Media-account hochlade," dass ich "seriöser” aussehen sollte, dass ich nichts in meinem Leben erreichen werde, wenn ich nicht schnell “einen Psychologen konsultiere und meine Unsicherheiten überwinde", und dass ich "bald 30 Jahre alt werde und weiterhin mein Brot mit meinem Körper verdiene." Was mich schockierte, war, dass diese Gerüchte so wiedergegeben wurden, als ob ich sie jemandem erzählt hätte.

Da ich jedoch negative Reaktionen und weitere Gerüchte vermeiden wollte, dachte ich, noch ein paar Monate durchzuhalten und geduldig zu sein, bis ich die giftige Situation in der Universitätsorganisation zu einem geeigneten Zeitpunkt verlassen konnte. Je mehr ich versuchte, Klatsch, Drama und Gerüchte zu vermeiden, und je öfter ich meine Situation erklären musste, desto mehr schien es, als entschuldigte ich mich am Ende für mein Verhalten. In dieser giftigen Umgebung begann ich zu glauben, dass ich die Täterin war, obwohl ich doch das Opfer war. Ich wusste erst später, dass dies eine psychologische Manipulation war, das man Gaslighting nennt.

Seitdem habe ich mit meinem Leben weitergemacht und ein Masterstudium im Ausland begonnen. Aber obwohl ich mein Studium abgeschlossen habe und weggezogen bin, werden immer noch ab und zu Gerüchte über mich verbreitet.  

Mit diesem Artikel verlange ich weder Sühne noch Gerechtigkeit. Ich möchte Menschen, die ein solches Verhalten erleben, raten, sich zu äußern, unabhängig von ihrem Geschlecht. Als ich meine Erfahrung erzählte, fragte man mich oft, warum ich damals nicht den Mund aufgemacht habe oder warum ich diese Situation nicht früher verlassen habe. Aber wie ein griechisches Sprichwort sagt: "Von außerhalb des Tanzkreises kann man viele Lieder singen", oder auf Deutsch: "Leichter gesagt als getan." Selbst jetzt ist es für mich nicht einfach mich zu äußern. Die Zeiten ändern sich zwar leider sehr langsam, und viel langsamer als sie sollten, aber sie ändern sich. Und mit jedem Tag, der vergeht, werden solche Verhaltensweisen wie Belästigung und Mobbing weniger und weniger tolerierbar.

Während dieser ganzen Situation fühlte ich mich wie ein schwaches kleines Mädchen, das immer wieder geschlagen wurde. Aber der Tag, an dem ich bereit war zu reden, war der Tag, wo das kleine Mädchen, das ich war, zu einer Frau wurde.


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Maria Sotiropoulou

Maria Sotiropoulou

Born in Greece, I was an energetic and extroverted person ever since my childhood, being passionate about foreign languages and debating. Holding a Bachelor's degree in Political Science, I am currently completing my Master's in European Studies at KU Leuven, focusing on European Governance and External Relations. My interests consist of foreign and European politics, governance, integration, gender equality, and women’s rights.

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